Schon als 15-Jähriger im nordhessischen Nentershausen-Bauhaus zeigte sich Horsts unbändiges Interesse an Elektronik. Sehr zum Entsetzen seines Vaters Wilhelm (*1900) zerlegte er das wertvolle Röhrenradio der Familie komplett in seine Einzelteile und baute es eigenmächtig um. Wilhelm konnte angesichts des auf dem Küchentisch ausgebreiteten Kabelgewirrs und der freigelegten Glaskolben-Röhren nur fassungslos die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und ausrufen: „Junge, was machst du!“
In den 1950er Jahren war die innerdeutsche Grenze noch offen. Da Horsts Heimatort Nentershausen direkt an der Zonengrenze lag, nutzte er geschickt die verwandtschaftlichen Kontakte seiner Mutter Elfriede ins thüringische Schmalkalden. Sein dortiger Onkel arbeitete als Betriebselektriker. Dank der extrem begehrten Devisen aus dem Verkauf von West-Kaffee, den Horst auf dem Fahrrad über die Grenze transportierte, konnte er sich in der DDR spottbillig mit den besten wissenschaftlichen Fachbüchern und von seinem Onkel mit kistenweise „elektrischem Kram“ eindecken – der Grundstein für sein späteres Ingenieurstudium.
Der junge Diplom-Ingenieur Horst (*1938) arbeitet am legendären Zuse Z25 im Werk in Bad Hersfeld. Die Anlage verfügt über umfangreiche Kabel-Steckfelder (Patchboards) zur Konfiguration, Röhren-Oszilloskope zur Signalüberwachung und Lochstreifenleser. Ein authentischer Blick in die Zeit der frühen Computerpioniere.
In typischem 1970er-Hemd sitzt Horst an seinem Messplatz im Labor der BASF in Ludwigshafen. In der M&R-Technik war er an der Einführung modernster digitaler Prozessleittechnik beteiligt – darunter die legendären 16-Bit-Prozessrechner der Reihe DEC PDP-11, die zur Echtzeit-Steuerung und Datenerfassung im größten Chemiewerk der Welt eingesetzt wurden.
Horsts große Leidenschaft abseits der Technik war das Segeln. Auf dem Altrhein bei Altrip lag sein gelber „Flying Cruiser“ mit dem stolzen Namen „Donald Duck“ (auf Wunsch des Sohnes). Das Boot war oft heillos überfüllt, wenn die Verwandtschaft an Bord war. Legendär ist Horsts eiserne Weigerung, pünktlich anzulegen und nach Hause zu fahren – was beim Sohn an Deck (hier mit verschränkten Armen und frustriertem Blick auf die Uhr) zu regelmäßigem Entsetzen führte, weil er so verlässlich jede Folge von Raumschiff Enterprise im Fernsehen verpasste.
Bevor es zum Hausbau in der Vogelstang kam, hatte Horst bereits den historischen Wallstädter Wasserturm von 1905 gekauft. Sein genialer Plan: Auf der Spitze des rund 20 Meter hohen Turms wollte er seine massive Kurzwellen-Richtantenne montieren – da die erlaubten 10 Meter Antennenhöhe erst ab der Dachkante zählten! Doch die Realität holte ihn ein: Der denkmalgeschützte Turm war voller Taubendreck, und das Denkmalschutzamt schob dem Traum von der Riesenantenne auf dem Turmdach sofort einen Riegel vor. Zähneknirschend trat Horst vom Kaufvertrag zurück und baute stattdessen auf dem letzten freien Grundstück in Vogelstang.
Passend zur väterlichen DNA (Y wie Ytong – der Träger der legendären Y-Linie Q-Y2200) errichtete Horst 1980 im Mannheimer Stadtteil Vogelstang in Eigenregie einen 15x15 m Winkelbungalow. Um Geld zu sparen, hob er eine gigantische Baugrube aus und unterkellerte das gesamte Haus sowie die komplette Doppelgarage. Schockierte Nachbarn tuschelten am Zaun, ob hier heimlich ein Atombunker oder ein öffentliches Hallenbad entsteht. Ein vorbeikommender Bauunternehmer meinte trocken, mit der Menge an Baustahl, die Horst in der Bodenplatte versenkt hatte, hätte er locker drei Häuser bauen können. Statisch war das Fundament ohnehin für ein zweites Obergeschoss ausgelegt, das die Bauordnung jedoch nie erlaubte. Und die geplante Sauna im Keller? Die wartet bis heute auf ihre Fertigstellung.
1982 brachte Horst als Leihgabe aus der BASF einen Commodore-Bürorechner der CBM-Serie mit grün leuchtendem Monitor nach Hause. Für seinen Sohn Frank war diese grafiklose Maschine der absolute Gamechanger und der Einstieg in die digitale Welt. Als Horst Franks leidenschaftliches Interesse an dem Rechner erkannte, zögerte er nicht lange und kaufte ihm kurz darauf den damals extrem teuren Commodore 64 (C64) – der Grundstein für eine lebenslange Computerbegeisterung.
Horst in seiner heimischen Amateurfunkstation (Funkbude) unter seinem Rufzeichen DL6UX. Um diese „große Lizenz“ (Klasse A/1) zu erlangen, musste er damals noch die anspruchsvolle Morseprüfung ablegen. Seine Station ist mit klassischen Transceivern, S-Metern und einer Morsetaste bestückt. Durch das Fenster blickt man auf seinen Stolz: Ein Gittermast auf dem Bungalowdach mit einer massiven 10x10 m großen Kurzwellen-Richtantenne (Yagi-Beam). Der weithin sichtbare Aufbau rief bald das Bauamt auf den Plan, das nach Beschwerden auf „optische Belästigung“ plädierte. Horst konterte unbeeindruckt mit Artikel 5 Grundgesetz (Informationsfreiheit) – er müsse schließlich Radio Moskau empfangen können. Am Ende musste er dennoch weichen und den festen Gittermast durch einen pneumatischen 10m-Teleskopmast ersetzen. Diesen fuhr Horst fortan ganz nach Bedarf hoch, wenn er funkte – bei starkem Wind oder Sturm empfahl es sich ohnehin, die Konstruktion sicherheitshalber wieder einzufahren.
Originalfoto aus dem Jahr 1970 (nicht KI-generiert).