Bevor es ein anderer tut: die härteste Kritik an dieser Seite, die wir uns vorstellen können — und unsere ehrliche Antwort darauf.
← zurück zur HauptseiteEs beginnt, wie solche Dinge heute beginnen: harmlos, bebildert, mit einem freundlichen Wolf. Man klickt sich durch die „Ahnengalerie" einer nordhessischen Familie, bewundert die gestochen scharfen Porträts — und stutzt erst spät. Denn keines dieser Gesichter hat je gelebt. Sie sind, wie die Betreiber freimütig einräumen, von einer künstlichen Intelligenz erfunden. Auch die Erzählerin der Videoserie, eine gewisse „Lea", ist eine Fiktion mit synthetischer Stimme. Ein digitales Bauchreden also — und was der Bauch da spricht, ist die Geschichte der Juden.
Man reibt sich die Augen. Eine deutsche Familie hat in ihrem Y-Chromosom eine vorderasiatische Signatur gefunden und daraus, mit dem Furor des Hobbyforschers, eine ganze Weltdeutung gezimmert: Der Name „Schindewolf" sei in Wahrheit jüdisch. Gegen Neugier ist nichts zu sagen. Gegen das, was daraus wird, sehr wohl.
Denn um die eigene, konstruierte Jüdischkeit auszumalen, greift die Seite in die unterste Schublade der europäischen Bildergeschichte: den Juden als Lumpensammler, als Fellhändler am Rand des Dorfes, als Wesen des „unehrlichen" Gewerbes. Man serviert es mit dem Gestus der Aufklärung — „wir widerlegen ja das Klischee!" —, doch wer ein Zerrbild dreimal liebevoll ausmalt, um es im Nebensatz zu dementieren, hat es am Ende doch verbreitet.
Und dann der Wolf. Man wählt als Wappentier jenes Geschöpf, mit dem sich ein anderer Österreicher einst so gern schmückte, und drapiert es um eine angeblich jüdische Ahnenreihe. Ich unterstelle keine böse Absicht — nur eine erstaunliche Taubheit für historische Obertöne.
Die eigentliche Anmaßung aber ist leiser. Nach jüdischem Gesetz wird Jüdischkeit über die Mutter weitergegeben; ein Chromosom in der Vaterlinie macht aus niemandem einen Juden. Man eignet sich hier nicht nur ein KI-Gesicht an — man eignet sich ein Leid an. Es ist die Signatur unserer Zeit: Identität als Kostüm, das fremde Trauma als pittoreske Kulisse. Der Wolf im Titel ist geborgt. Das Leid, das er sich umhängt, auch.
Und weil Kritik nicht nur im Feuilleton wohnt — dieselbe Empörung eine Etage tiefer, in der Gosse:
Es ist der dreisteste Fall von Identitäts-Klau seit Langem! Eine Familie aus Nordhessen hat sich per DNA-Kit für ein paar Euro kurzerhand zu Juden erklärt — und stellt jetzt selbstgemalte „Ahnen" ins Netz, die eine KÜNSTLICHE INTELLIGENZ erfunden hat. Kein einziges Gesicht ist echt!
Noch dreister: Eine Computerstimme namens „Lea" erzählt in Video-Clips die Geschichte der Juden — als wäre es ihre eigene.
Und dann dieser WOLF überall! Ahnenkult, Abstammung — Experten runzeln die Stirn. Erinnert das nicht an... na, Sie wissen schon?
Ein Lokalpolitiker (Name der Redaktion bekannt) wettert: „Sowas hat im Netz nichts verloren!" Auch der Verdacht steht im Raum: Steckt da eine rechte Gesinnung dahinter? AfD-nah?
Die Familie schweigt zu unseren Fragen. Und wir fragen: Was verschweigt sie noch?
Feuilleton oder Gosse, der feine Herr Fuchs oder der brüllende Hanse-Blitz — beide schlagen hart. Gut so. Hier ist, was von jedem Schlag übrig bleibt:
Vorwurf: Wir lassen eine Maschine Judengeschichte erzählen.
Die KI ist ein offen deklariertes Werkzeug, kein Betrug. Jedes Porträt ist ausdrücklich als KI-Rekonstruktion ohne echte Ähnlichkeit gekennzeichnet, „Lea" ausdrücklich als fiktive Erzählfigur. Wir erfinden keine Fakten — wir bebildern belegte. Namen, Daten, Orte, die Ahnentafel und die DNA sind echt und geprüft. Das ist dasselbe, was jedes Geschichtsmagazin mit gezeichneten Szenen tut, nur ehrlicher beschriftet.
Vorwurf: Lumpensammler, Geldverleiher, der „unehrliche" Jude.
Wir widerlegen das reichste dieser Klischees ausdrücklich: nicht der sprichwörtliche reiche Geldverleiher, sondern der bettelarme, ausgegrenzte Mensch. Die Armut und Verfolgung mittelalterlicher Juden zu erinnern ist keine Herabsetzung — genau das tun seriöse jüdische Historiker seit jeher. Wir ehren die Zähigkeit der Ausgestoßenen, wir verhöhnen sie nicht.
Vorwurf: das Wappentier der Nazis.
Unser Wolf ist Ze'ev / Wolf — der jüdische Name des Stammes Benjamin, uralt und völlig unabhängig von jeder braunen Vereinnahmung. Und wir zeigen ihn bewusst als armen Lumpen-, Blech- und Knochenwolf, gebastelt aus dem Nichts — das genaue Gegenteil des arischen Raubtiers. Wenn überhaupt, holen wir den Wolf zurück.
Vorwurf: kulturelle Aneignung.
Wir behaupten ausdrücklich nicht, Juden zu sein — jüdische Identität läuft nach der Halacha über die Mutter. Man kann aber seine eigene Vaterlinie nicht „aneignen": Das Y-Chromosom Q-Y2200 ist real, dreifach im Labor bestätigt, ehrlich als Hypothese markiert. Wir borgen kein fremdes Leid — wir suchen, mit Stolz und Demut, einen wahrscheinlichen eigenen Vorfahren.
Vorwurf: Ahnenkult, völkisch, AfD-nah, „Nazi".
Die schönste Selbstentlarvung von allen: Ein Blatt, das in Schwarz-Weiß-Rot brüllt, fragt allen Ernstes „wie weit rechts ist das?". Zur Sache: Ahnenforschung und DNA-Tests machen Millionen Menschen jeder Gesinnung — daran ist nichts Rechtes. Und eine Seite, die mit Stolz eine jüdische Wurzel sucht und die Verfolgung armer Juden ehrt, ist das exakte Gegenteil von völkisch. Wer hier „Nazi" ruft, hat nicht bis zur zweiten Zeile gelesen — oder will es nicht.
Weil wir vor der härtesten Version dieser Kritik keine Angst haben. Wer seine Wurzeln ehrlich sucht, sie sauber als Hypothese kennzeichnet und die Menschen, von denen er abstammen könnte, mit Respekt behandelt, hat nichts zu verbergen — auch nicht vor einem erfundenen Herrn Fuchs. 🐺
Wir haben die Pressestimmen ernst genommen — und uns daraufhin gleich mal selbst abgemahnt. Kaum war der erfundene Herr Fuchs in der Welt, meldeten sich auch schon seine (ebenso erfundenen) Anwälte: die geldwitternden Kollegen von Geier & Habicht.
Sehr geehrte Damen und Herren,
in vorbezeichneter Angelegenheit zeigen wir an, dass uns Herr Dr. Reinhard Fuchs mit der Wahrnehmung seiner Interessen beauftragt hat. Auf Ihrer Website veröffentlichen Sie unter schindewolf.net/presseschau.html einen Kommentar, der unserem Mandanten namentlich zugeschrieben wird — ohne dessen Einwilligung.
Hierdurch verletzen Sie sein allgemeines Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1 i. V. m. Art. 1 Abs. 1 GG), sein Namensrecht (§ 12 BGB) und sein Recht am eigenen Bild (§ 22 KUG). Wir fordern Sie auf,
| 1,3 Geschäftsgebühr, Nr. 2300 VV RVG (Gegenstandswert 50.000 €) | 1.662,70 € |
| Auslagenpauschale, Nr. 7002 VV RVG | 20,00 € |
| zzgl. 19 % USt, Nr. 7008 VV RVG | 319,71 € |
| Zu zahlender Gesamtbetrag | 2.002,41 € |
Vergleichsweise ist unser Mandant bereit, gegen eine pauschale Abgeltung von 1.500,00 € von der Sache abzusehen.
Der Witz mit dem wahren Kern: Bei aller Erfindung steckte in einer Ecke tatsächlich ein echter Fehler — diese Presseschau lud ihre Schriften von Google, was Besucher-IPs überträgt (DSGVO-heikel; genau der Stoff, aus dem echte Abmahnungen sind). Den haben wir sofort behoben: Die Schriften liegen jetzt auf unserem eigenen Server. Kostennote an uns selbst: 0 €. 🐺
Die härteste denkbare Waffe gegen den Inhalt ist keine Abmahnung, sondern eine Strafanzeige nach § 130 StGB (Volksverhetzung). Auch die haben wir uns — natürlich nur in Gedanken — eingefangen: Ein empörter Zeitgenosse zeigte uns an. Wir haben die Antwort darauf gleich mitgeliefert — als augenzwinkernde, selbst verfasste Einstellungsverfügung, die Punkt für Punkt zeigt, warum der Vorwurf nicht trägt.
Das Ermittlungsverfahren wird gemäß § 170 Abs. 2 StPO eingestellt, da ein hinreichender Tatverdacht nicht besteht.
Gründe:
Der Anzeigeerstatter sieht in der Darstellung armer, ausgegrenzter Juden des Mittelalters sowie in der Verwendung eines Wolfs-Wappens eine Herabsetzung jüdischer Menschen.
Ein Anfangsverdacht besteht nicht. § 130 StGB setzt ein Aufstacheln zu Hass oder einen Angriff auf die Menschenwürde einer Bevölkerungsgruppe voraus. Die untersuchte Website bewirkt das Gegenteil: Sie schildert die historische Armut und Verfolgung jüdischer Menschen mit erkennbarem Respekt, widerlegt das Klischee des „reichen Geldverleihers" ausdrücklich und kennzeichnet die eigene, DNA-gestützte Annahme einer jüdischen Vorfahrenschaft ausdrücklich als bloße Hypothese. Sie stellt zudem klar, für sich keine jüdische Identität zu beanspruchen (Halacha).
Eine Eignung, den öffentlichen Frieden zu stören oder die Würde einer Gruppe anzugreifen, ist nicht ersichtlich. Es handelt sich vielmehr um eine würdigende, erinnerungskulturelle Auseinandersetzung. Der Tatbestand ist in keiner Variante erfüllt; das Verfahren war einzustellen.
Der Vorwurf trägt nicht. Wer eine Seite, die verfolgte Juden ehrt, für Volksverhetzung hält, hat sie nicht gelesen — und selbst eine Schikane-Anzeige landet genau hier: in der Einstellung. Kein Paragraph beißt den Wolf. 🐺
Bleibt noch der Weg über die Tastatur: die Seite einfach weghacken. Auch das haben wir uns ausgemalt. Das Server-Log spricht für sich:
Ob Feuilleton, Boulevard, Anwalt, Staatsanwalt oder Angreifer — am Ende bleibt jedes Mal derselbe Satz stehen: Der Wolf steht noch. 🐺
Feuilleton, Boulevard, Abmahnung, Staatsanwalt, Hacker — alle abgewehrt. Und dann kam diese E-Mail. Und, ehrlich: an ihr ist etwas dran.
(langes Schweigen)
Wisst ihr was? Sie hat recht.
Den Fuchs, den Boulevard, die Abmahnung, das §130-Verfahren, sogar den Hackerangriff — alles pariert. Hier legen wir die Waffen nieder. Weiße Fahne. 🏳️
Denn es stimmt ja: Ohne die Frauen gäbe es keinen einzigen von uns. Nicht metaphorisch — buchstäblich. Jeder Wolf dieser „lückenlosen Männerkette“ kam aus einer von ihnen: getragen, geboren, durchgebracht. Also, bevor wir kapitulieren, das Einzige, was auf dieser Seite wirklich gefehlt hat — ihre Namen:
Und die „zwei Gebärmaschinen“, über die sich die Zuschrift so empört? Das waren Justine Wilhelmine Ries und Marie Katharina Stübner. Jetzt haben sie Namen. Das war der Teil, den wir ernst meinen.
Der Rest ist Kapitulation. Ja, wir sind Männer. Ja, wir starren auf ein Chromosom. Ja, einer hatte siebzehn Kinder und wir wissen bis heute nicht, wie er das verantworten konnte. Wir geben auf. Ihr habt gewonnen.
🏳️ NO MA'AM 🐺
✎ Frei erfundene Zuschrift, selbst verfasst. „Ronja Wolf-Degenhardt“ und das „Kollektiv WÖLFINNEN“ gibt es nicht. Die Ahnfrauen dagegen sind alle echt — aus den Kirchenbüchern der direkten Linie.