🐺 schindewolf.net · Presseschau

Die Kritik, die wir uns selbst schreiben

Bevor es ein anderer tut: die härteste Kritik an dieser Seite, die wir uns vorstellen können — und unsere ehrliche Antwort darauf.

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⚠️ Klarstellung vorweg: Der folgende Zeitungskommentar ist frei erfunden. Die Zeitung „Hanseatischer Kurier" und der Autor „Dr. Reinhard Fuchs" existieren nicht (der Name spielt augenzwinkernd auf den Fabel-Fuchs Reineke an) — wir haben diesen Text selbst geschrieben, als schärfstmöglichen Angriff auf uns. Warum? Weil man einer Kritik am besten begegnet, indem man sie in ihrer stärksten Form ausspricht und dann ruhig beantwortet. Genau das tun wir hier.
Hanseatischer Kurier
Norddeutsche Wochenzeitung · gegründet 1897
FeuilletonWochenendeSeite 27
Kulturkritik

Der geliehene Wolf

Eine Website namens „schindewolf.net" verkauft die Zwangsjacke jahrhundertealter Judenklischees als Familienstolz. Man muss kein Talmudgelehrter sein, um das Unbehagen zu spüren.
von Dr. Reinhard Fuchs · Beauftragter gegen Antisemitismus

Es beginnt, wie solche Dinge heute beginnen: harmlos, bebildert, mit einem freundlichen Wolf. Man klickt sich durch die „Ahnengalerie" einer nordhessischen Familie, bewundert die gestochen scharfen Porträts — und stutzt erst spät. Denn keines dieser Gesichter hat je gelebt. Sie sind, wie die Betreiber freimütig einräumen, von einer künstlichen Intelligenz erfunden. Auch die Erzählerin der Videoserie, eine gewisse „Lea", ist eine Fiktion mit synthetischer Stimme. Ein digitales Bauchreden also — und was der Bauch da spricht, ist die Geschichte der Juden.

Man reibt sich die Augen. Eine deutsche Familie hat in ihrem Y-Chromosom eine vorderasiatische Signatur gefunden und daraus, mit dem Furor des Hobbyforschers, eine ganze Weltdeutung gezimmert: Der Name „Schindewolf" sei in Wahrheit jüdisch. Gegen Neugier ist nichts zu sagen. Gegen das, was daraus wird, sehr wohl.

Denn um die eigene, konstruierte Jüdischkeit auszumalen, greift die Seite in die unterste Schublade der europäischen Bildergeschichte: den Juden als Lumpensammler, als Fellhändler am Rand des Dorfes, als Wesen des „unehrlichen" Gewerbes. Man serviert es mit dem Gestus der Aufklärung — „wir widerlegen ja das Klischee!" —, doch wer ein Zerrbild dreimal liebevoll ausmalt, um es im Nebensatz zu dementieren, hat es am Ende doch verbreitet.

Und dann der Wolf. Man wählt als Wappentier jenes Geschöpf, mit dem sich ein anderer Österreicher einst so gern schmückte, und drapiert es um eine angeblich jüdische Ahnenreihe. Ich unterstelle keine böse Absicht — nur eine erstaunliche Taubheit für historische Obertöne.

Die eigentliche Anmaßung aber ist leiser. Nach jüdischem Gesetz wird Jüdischkeit über die Mutter weitergegeben; ein Chromosom in der Vaterlinie macht aus niemandem einen Juden. Man eignet sich hier nicht nur ein KI-Gesicht an — man eignet sich ein Leid an. Es ist die Signatur unserer Zeit: Identität als Kostüm, das fremde Trauma als pittoreske Kulisse. Der Wolf im Titel ist geborgt. Das Leid, das er sich umhängt, auch.

✎ Fiktiver Kommentar — von der Redaktion dieser Seite selbst verfasst

Und weil Kritik nicht nur im Feuilleton wohnt — dieselbe Empörung eine Etage tiefer, in der Gosse:

Wochenende · 1,20 €
SEITE 1
SKANDAL IM NETZ!
Deutsche Familie spielt Juden — per Gen-Test aus dem Netz!
Gruselige KI-Fake-Ahnen, Wolf-Kult, uralte Klischees: Die ominöse Seite „schindewolf.net" empört das Netz. Historiker fassungslos — Politiker fordern Konsequenzen!

Es ist der dreisteste Fall von Identitäts-Klau seit Langem! Eine Familie aus Nordhessen hat sich per DNA-Kit für ein paar Euro kurzerhand zu Juden erklärt — und stellt jetzt selbstgemalte „Ahnen" ins Netz, die eine KÜNSTLICHE INTELLIGENZ erfunden hat. Kein einziges Gesicht ist echt!

Noch dreister: Eine Computerstimme namens „Lea" erzählt in Video-Clips die Geschichte der Juden — als wäre es ihre eigene.

„Ahnen, Blut, Gene, Wölfe im Wappen — wie weit rechts ist das eigentlich?!"

Und dann dieser WOLF überall! Ahnenkult, Abstammung — Experten runzeln die Stirn. Erinnert das nicht an... na, Sie wissen schon?

„Das ist geschmacklos, gefährlich und gehört gelöscht."— ein empörter Nutzer auf X

Ein Lokalpolitiker (Name der Redaktion bekannt) wettert: „Sowas hat im Netz nichts verloren!" Auch der Verdacht steht im Raum: Steckt da eine rechte Gesinnung dahinter? AfD-nah?

Die Familie schweigt zu unseren Fragen. Und wir fragen: Was verschweigt sie noch?

Muss das sein?!
✎ Fiktive Boulevard-Parodie — von der Redaktion dieser Seite selbst verfasst. „Hanse-Blitz" existiert nicht.

Unsere Antwort — Punkt für Punkt

Feuilleton oder Gosse, der feine Herr Fuchs oder der brüllende Hanse-Blitz — beide schlagen hart. Gut so. Hier ist, was von jedem Schlag übrig bleibt:

„KI-Bauchreden — erfundene Gesichter, eine Fake-Stimme."

Vorwurf: Wir lassen eine Maschine Judengeschichte erzählen.

Die KI ist ein offen deklariertes Werkzeug, kein Betrug. Jedes Porträt ist ausdrücklich als KI-Rekonstruktion ohne echte Ähnlichkeit gekennzeichnet, „Lea" ausdrücklich als fiktive Erzählfigur. Wir erfinden keine Fakten — wir bebildern belegte. Namen, Daten, Orte, die Ahnentafel und die DNA sind echt und geprüft. Das ist dasselbe, was jedes Geschichtsmagazin mit gezeichneten Szenen tut, nur ehrlicher beschriftet.

„Die unterste Schublade — ihr bedient Klischees."

Vorwurf: Lumpensammler, Geldverleiher, der „unehrliche" Jude.

Wir widerlegen das reichste dieser Klischees ausdrücklich: nicht der sprichwörtliche reiche Geldverleiher, sondern der bettelarme, ausgegrenzte Mensch. Die Armut und Verfolgung mittelalterlicher Juden zu erinnern ist keine Herabsetzung — genau das tun seriöse jüdische Historiker seit jeher. Wir ehren die Zähigkeit der Ausgestoßenen, wir verhöhnen sie nicht.

„Der Wolf — ausgerechnet."

Vorwurf: das Wappentier der Nazis.

Unser Wolf ist Ze'ev / Wolf — der jüdische Name des Stammes Benjamin, uralt und völlig unabhängig von jeder braunen Vereinnahmung. Und wir zeigen ihn bewusst als armen Lumpen-, Blech- und Knochenwolf, gebastelt aus dem Nichts — das genaue Gegenteil des arischen Raubtiers. Wenn überhaupt, holen wir den Wolf zurück.

„Anmaßung — ihr spielt Juden."

Vorwurf: kulturelle Aneignung.

Wir behaupten ausdrücklich nicht, Juden zu sein — jüdische Identität läuft nach der Halacha über die Mutter. Man kann aber seine eigene Vaterlinie nicht „aneignen": Das Y-Chromosom Q-Y2200 ist real, dreifach im Labor bestätigt, ehrlich als Hypothese markiert. Wir borgen kein fremdes Leid — wir suchen, mit Stolz und Demut, einen wahrscheinlichen eigenen Vorfahren.

„Blut, Gene, Wölfe — wie weit rechts ist das?" (das Boulevard-Geschütz)

Vorwurf: Ahnenkult, völkisch, AfD-nah, „Nazi".

Die schönste Selbstentlarvung von allen: Ein Blatt, das in Schwarz-Weiß-Rot brüllt, fragt allen Ernstes „wie weit rechts ist das?". Zur Sache: Ahnenforschung und DNA-Tests machen Millionen Menschen jeder Gesinnung — daran ist nichts Rechtes. Und eine Seite, die mit Stolz eine jüdische Wurzel sucht und die Verfolgung armer Juden ehrt, ist das exakte Gegenteil von völkisch. Wer hier „Nazi" ruft, hat nicht bis zur zweiten Zeile gelesen — oder will es nicht.

Und warum drucken wir das ab?

Weil wir vor der härtesten Version dieser Kritik keine Angst haben. Wer seine Wurzeln ehrlich sucht, sie sauber als Hypothese kennzeichnet und die Menschen, von denen er abstammen könnte, mit Respekt behandelt, hat nichts zu verbergen — auch nicht vor einem erfundenen Herrn Fuchs. 🐺

Nachtrag: Wir haben uns gleich selbst abgemahnt

Wir haben die Pressestimmen ernst genommen — und uns daraufhin gleich mal selbst abgemahnt. Kaum war der erfundene Herr Fuchs in der Welt, meldeten sich auch schon seine (ebenso erfundenen) Anwälte: die geldwitternden Kollegen von Geier & Habicht.

Geier · Habicht & PartnerRechtsanwälte · Fachkanzlei für Medien- und Abmahnrecht
Neuer Wall 1 · 20354 Hamburg
Tel. (Rufnummer fiktiv)
ra@geier-habicht.example
Dr. Cornelius Geier, LL.M. · Roswitha Habicht (Fachanwältin für Urheber- & Medienrecht) · Kai-Uwe Bussard
Geier · Habicht & Partner · Neuer Wall 1 · 20354 Hamburg
An den Betreiber der Website
schindewolf.net — per E-Mail und vorab —
Unser Zeichen: GH 4711/26 fuRAin HabichtHamburg, 7. Juli 2026
Abmahnung wegen Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts unseres Mandanten, Herrn Dr. Reinhard Fuchs

Sehr geehrte Damen und Herren,

in vorbezeichneter Angelegenheit zeigen wir an, dass uns Herr Dr. Reinhard Fuchs mit der Wahrnehmung seiner Interessen beauftragt hat. Auf Ihrer Website veröffentlichen Sie unter schindewolf.net/presseschau.html einen Kommentar, der unserem Mandanten namentlich zugeschrieben wird — ohne dessen Einwilligung.

Hierdurch verletzen Sie sein allgemeines Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1 i. V. m. Art. 1 Abs. 1 GG), sein Namensrecht (§ 12 BGB) und sein Recht am eigenen Bild (§ 22 KUG). Wir fordern Sie auf,

  1. es bei Meidung einer Vertragsstrafe von 5.100,00 € je Zuwiderhandlung zu unterlassen, Namen und Person unseres Mandanten wiederzugeben;
  2. die beigefügte strafbewehrte Unterlassungserklärung unterzeichnet zurückzusenden;
  3. die Rechtsanwaltskosten gemäß nachstehender Kostennote zu erstatten.
1,3 Geschäftsgebühr, Nr. 2300 VV RVG (Gegenstandswert 50.000 €)1.662,70 €
Auslagenpauschale, Nr. 7002 VV RVG20,00 €
zzgl. 19 % USt, Nr. 7008 VV RVG319,71 €
Zu zahlender Gesamtbetrag2.002,41 €
Frist zur Erledigung: 17. Juli 2026, 12:00 Uhr. Danach ist die einstweilige Verfügung angeraten — mit erheblich höheren Kosten zu Ihren Lasten.

Vergleichsweise ist unser Mandant bereit, gegen eine pauschale Abgeltung von 1.500,00 € von der Sache abzusehen.

Mit vorzüglicher Hochachtung

i. A. R. Habicht
Rechtsanwältin, Fachanwältin für Urheber- und Medienrecht
✎ Reine Parodie — selbst verfasst. Alle Namen sind der Tierfabel entlehnt: „Reinhard Fuchs" ist der Reineke (der Fuchs), „Geier · Habicht · Bussard" sind Greifvögel. Kanzlei, Mandant, Aktenzeichen und Rufnummer frei erfunden.

Der Witz mit dem wahren Kern: Bei aller Erfindung steckte in einer Ecke tatsächlich ein echter Fehler — diese Presseschau lud ihre Schriften von Google, was Besucher-IPs überträgt (DSGVO-heikel; genau der Stoff, aus dem echte Abmahnungen sind). Den haben wir sofort behoben: Die Schriften liegen jetzt auf unserem eigenen Server. Kostennote an uns selbst: 0 €. 🐺

Die schwerste Keule: Strafanzeige wegen Volksverhetzung

Die härteste denkbare Waffe gegen den Inhalt ist keine Abmahnung, sondern eine Strafanzeige nach § 130 StGB (Volksverhetzung). Auch die haben wir uns — natürlich nur in Gedanken — eingefangen: Ein empörter Zeitgenosse zeigte uns an. Wir haben die Antwort darauf gleich mitgeliefert — als augenzwinkernde, selbst verfasste Einstellungsverfügung, die Punkt für Punkt zeigt, warum der Vorwurf nicht trägt.

Staatsanwaltschaft Entenhausen— Der Leitende Oberstaatsanwalt —
Donald-Duck-Weg 5 · 31337 Entenhausen
Dezernat 71
Aktenzeichen: 7100 Js 4711/26Bearbeiter: OStA Dr. VogelEntenhausen, 7. Juli 2026
Verfügung — Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen den Betreiber der Website „schindewolf.net" wegen des Verdachts der Volksverhetzung (§ 130 StGB)

Das Ermittlungsverfahren wird gemäß § 170 Abs. 2 StPO eingestellt, da ein hinreichender Tatverdacht nicht besteht.

Gründe:

Der Anzeigeerstatter sieht in der Darstellung armer, ausgegrenzter Juden des Mittelalters sowie in der Verwendung eines Wolfs-Wappens eine Herabsetzung jüdischer Menschen.

Ein Anfangsverdacht besteht nicht. § 130 StGB setzt ein Aufstacheln zu Hass oder einen Angriff auf die Menschenwürde einer Bevölkerungsgruppe voraus. Die untersuchte Website bewirkt das Gegenteil: Sie schildert die historische Armut und Verfolgung jüdischer Menschen mit erkennbarem Respekt, widerlegt das Klischee des „reichen Geldverleihers" ausdrücklich und kennzeichnet die eigene, DNA-gestützte Annahme einer jüdischen Vorfahrenschaft ausdrücklich als bloße Hypothese. Sie stellt zudem klar, für sich keine jüdische Identität zu beanspruchen (Halacha).

Eine Eignung, den öffentlichen Frieden zu stören oder die Würde einer Gruppe anzugreifen, ist nicht ersichtlich. Es handelt sich vielmehr um eine würdigende, erinnerungskulturelle Auseinandersetzung. Der Tatbestand ist in keiner Variante erfüllt; das Verfahren war einzustellen.

gez.
Dr. M. Vogel
Oberstaatsanwalt
✎ Reine Parodie — selbst verfasst. Die „Staatsanwaltschaft Entenhausen" ist frei erfunden (Entenhausen = Comic-Stadt); es gab kein echtes Verfahren und keine echte Behörde.

Der Vorwurf trägt nicht. Wer eine Seite, die verfolgte Juden ehrt, für Volksverhetzung hält, hat sie nicht gelesen — und selbst eine Schikane-Anzeige landet genau hier: in der Einstellung. Kein Paragraph beißt den Wolf. 🐺

Und wer's mit Technik statt Paragraphen versucht?

Bleibt noch der Weg über die Tastatur: die Seite einfach weghacken. Auch das haben wir uns ausgemalt. Das Server-Log spricht für sich:

root@schindewolf — rudel-firewall — /var/log/wolfsec.log
████ SICHERHEITS-ALARM · RUDEL-FIREWALL v4.8 ████
[2026-07-07 18:42:07] wolfsec: IDS aktiv · Ziel schindewolf.net
18:42:09 [ALERT] eingehender 0-day-Exploit erkannt — CVE-2026-31337 (Linux-Kernel nf_tables RCE)
18:42:10 [INFO] Quelle: 47 Hosts / diverse Botnetze / TOR-Exit-Nodes (Herkunft verschleiert)
18:42:10 [INFO] Payload: reverse-shell + Kernel-Escalation + „rm -rf"-Versuch
18:42:11 [BLOCK] Kernel gepatcht → Exploit läuft ins Leere
18:42:11 [BLOCK] fail2ban: 47 IPs permanent gebannt
18:42:12 [OK] Datei-Integrität: 100 % · kein Durchbruch · kein Datenabfluss
18:42:13 [OK] Dienst „schindewolf.net": UNGESTÖRT ONLINE
ZUSAMMENFASSUNG: Jemand wollte den Wolf abschalten. Der Server ist ein gewöhnlicher, gehärteter Linux-Kasten. Ergebnis: Angriff restlos abgewehrt.
▸ DER WOLF STEHT NOCH. 🐺
root@schindewolf:~#
✎ Fiktive Parodie — selbst verfasst. Kein echter Angriff, keine echte CVE, keine Zuschreibung an irgendwen.

Ob Feuilleton, Boulevard, Anwalt, Staatsanwalt oder Angreifer — am Ende bleibt jedes Mal derselbe Satz stehen: Der Wolf steht noch. 🐺

Nur einen Gegner haben wir nicht besiegt.

Feuilleton, Boulevard, Abmahnung, Staatsanwalt, Hacker — alle abgewehrt. Und dann kam diese E-Mail. Und, ehrlich: an ihr ist etwas dran.

🚩  Neue Nachricht · Posteingang
Von: ronja.wolf-degenhardt@wölfinnen-kollektiv.org
An: kontakt@schindewolf.net
Betreff: EURE SEITE IST EIN PATRIARCHALES MAHNMAL — sofort ändern!!

Sehr geehrte „Herren“ (und es sind ja nur Herren, nicht wahr),

ich bin über eure Seite gestolpert und sitze seither fassungslos vor dem Bildschirm. Als Frau, Mutter und Mensch muss ich das loswerden.

Ihr feiert allen Ernstes eine „lückenlose Männerkette über 366 Jahre“. Eine. Männer. Kette. Jedes Glied wurde von einer Frau getragen, geboren, gestillt, großgezogen — und keine einzige steht in eurer Überschrift. Die Frauen sind das Bindegewebe, das ihr wegschneidet, damit die Kette schön männlich durchläuft.

Und diese Y-Chromosom-Obsession! Das kleinste Chromosom — genau das eine Stück, das nur die Jungs weiterreichen — erklärt ihr zum Familienheiligtum. Wir liefern die halbe DNA und die ganze Schwangerschaft, und ihr wedelt mit eurem Y wie mit einem Pokal. Das ist Ahnenforschung als Schwanzvergleich mit Kirchenbüchern.

Tiefpunkt: „Ernst Julius, siebzehn Kinder“. Er. Mit zwei Frauen — die erste hat's offenbar nicht überlebt, also kam Ersatz. Zwei Frauen als Gebärmaschinen verschlissen, und ihr feiert das als Stammhalter-Rekord. Kein Wort vom Kindbett. Nur eine stolze Zahl.

Und wo dürfen Frauen bei euch auftreten? Als „Scheyndeln“ — hübsche kleine Wölfinnen, Deko fürs Wortspiel. Männer kriegen Charakter (Raketen! Funk! schnelle Autos!), Frauen ein Aussehen.

Der Gipfel: Ihr sucht „männliche“ Schindewolf für den DNA-Test. Frauen sind vom Kernanliegen eurer eigenen Seite ausgeschlossen. Dabei sagt eure eigene These, der Name kommt von Sheyndl — einer FRAU! Ihr feiert eine Frau, indem ihr sie in einen Männer-Nachnamen auflöst.

Ich erwarte eine Überarbeitung. Sonst wird das ein Thread. 🚩

Mit kämpferischen Grüßen
Ronja Wolf-Degenhardt (sie/ihr)
Kollektiv WÖLFINNEN* · kritische Ahnenforscher*innen

Unsere Antwort: — …

(langes Schweigen)

Wisst ihr was? Sie hat recht.

Den Fuchs, den Boulevard, die Abmahnung, das §130-Verfahren, sogar den Hackerangriff — alles pariert. Hier legen wir die Waffen nieder. Weiße Fahne. 🏳️

Denn es stimmt ja: Ohne die Frauen gäbe es keinen einzigen von uns. Nicht metaphorisch — buchstäblich. Jeder Wolf dieser „lückenlosen Männerkette“ kam aus einer von ihnen: getragen, geboren, durchgebracht. Also, bevor wir kapitulieren, das Einzige, was auf dieser Seite wirklich gefehlt hat — ihre Namen:

Die Ahnfrauen der Vaterlinie
Anna Becker ∞ Konrad *1652
Anna Elisabeth Böttner ∞ Johann Jakob *1714
Hermine Rosine Weiffenbach ∞ Georg Wilhelm *1751
Christine Wilhelmine Schröder ∞ Wilhelm Philipp *1779
Justine Wilhelmine Ries (neun Kinder) & Marie Katharina Stübner (acht) ∞ Ernst Julius *1826
Amalie Klenk ∞ Johann Heinrich Hermann *1866
Elfriede Schüler ∞ Wilhelm Julius *1900
Brigitte Schmitzer ∞ Horst *1938

Und die „zwei Gebärmaschinen“, über die sich die Zuschrift so empört? Das waren Justine Wilhelmine Ries und Marie Katharina Stübner. Jetzt haben sie Namen. Das war der Teil, den wir ernst meinen.

Der Rest ist Kapitulation. Ja, wir sind Männer. Ja, wir starren auf ein Chromosom. Ja, einer hatte siebzehn Kinder und wir wissen bis heute nicht, wie er das verantworten konnte. Wir geben auf. Ihr habt gewonnen.

🏳️  NO MA'AM  🐺

✎ Frei erfundene Zuschrift, selbst verfasst. „Ronja Wolf-Degenhardt“ und das „Kollektiv WÖLFINNEN“ gibt es nicht. Die Ahnfrauen dagegen sind alle echt — aus den Kirchenbüchern der direkten Linie.

Presseschau II · die große Analyse
„Das Y-Chromosom auf dem Netto-Parkplatz“
Ein ausführliches (fiktives) Feuilleton über die Bemb-El-Satire, das Weltbürger-Paradoxon und den Geyer-Test — samt Replik des ZK. Weiterlesen →